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alle Welt

Dankbarkeit in Aktion

Wie Erntedank in den Partnerländern der EmK-Weltmission gefeiert wird.

Ob und wie das Erntedankfest in unseren Partnerländern des Globalen Südens gefeiert wird, hängt oft mit ihrer (Kolonial-)Geschichte und bestehenden Traditionen zusammen. So unterscheidet sich das Fest in den benachbarten Ländern Liberia und Sierra Leone grundsätzlich: In Liberia, einem Land in Westafrika, das von aus den USA zurückgekehrten Sklaven gegründet wurde, gibt es seit 1883 einen gesetzlichen Feiertag. Obwohl das Fest seine Wurzeln im amerikanischen Thanksgiving hat, unterscheidet es sich dennoch davon. So ist das klassische Festmahl beispielsweise nicht zwingend Teil der Feierlichkeiten. Vielfach werden Gottesdienste besucht oder man ist schlicht dankbar für die neue Phase des Friedens nach dem Bürgerkrieg. Einige lehnen die Feiern jedoch aufgrund ihres kolonialen Ursprungs ab. Innerhalb der EmK ist es üblich, dass mitgebrachte Ernteerträge zugunsten der Kirche versteigert werden.

Gottesdienste und Spenden sammeln

Das benachbarte Sierra Leone war über 150 Jahre lang britische Kronkolonie, sodass entsprechende Bräuche aus Großbritannien nach und nach auch dort Einzug hielten. Zwar begannen die Briten deutlich später als in Deutschland damit, Gottesdienste zum Dank für die eingebrachte Ernte zu feiern, doch verbreitete sich dieser Brauch auch in den Kolonien. Unser Mitarbeiter Dennis Bangalie schreibt: »Die meisten Kirchen feiern Erntedank, um Spenden zu sammeln und einen Teil der Ernte ihren Pastoren zu überreichen. Es gibt kein festes Datum, die Feiern finden aber im November und Dezember statt, wenn Haupterntezeit ist.« Manchmal legen benachbarte Kirchen das Erntedankfest auf unterschiedliche Sonntage fest, damit die Menschen an den Dankesfeiern der jeweils anderen teilnehmen können. Dabei entsteht oft ein Wettbewerb darum, wer die höchsten Spendeneinnahmen erzielt.

Ein Fest für alle

Auch in Brasilien gibt es einen offiziellen Nationalen Erntedanktag, der in der Gesellschaft jedoch nicht weit verbreitet gefeiert wird. Einige Kirchen halten einen besonderen Gottesdienst ab, in dessen Mittelpunkt die Dankbarkeit gegenüber Gott steht. Darauf folgt manchmal ein gemeinsames Essen oder ein gemeinschaftliches Beisammensein, teilweise inspiriert durch US-amerikanische Thanksgiving-Traditionen. 

Die Dankbarkeit für Gottes Fürsorge wird eher durch gemeinschaftliche Feste wie die Festas Juninas, die den ganzen Juni über stattfinden, zum Ausdruck gebracht. Diese in ländlichen Traditionen und der Ernte verwurzelten Feste bringen die Menschen durch Gebete, Musik, Tanz und traditionelle Speisen aus Mais und anderen lokalen Zutaten zusammen. So erzählt Mark Greathouse: »Beim Projekt ›Schatten und frisches Wasser‹ feiern wir jedes Jahr die Festa Junina und verkaufen traditionelle Speisen, um Mittel für unsere Aktivitäten zu sammeln und unsere Gemeinschaft zu stärken.«

Sammeln, bis das Ergebnis stimmt

In Mosambik wird am ersten Sonntag im August gefeiert. Obwohl in den tropischen Ländern eigentlich immer irgendetwas wächst: Zitrusfrüchte eher im »Winter« von Mai bis Juli; Mangos, Papayas, Avocados, Maracuja, Mais, Salat, Tomaten und Erdnüsse eher im »Sommer«. Bananen gibt es eigentlich immer. 

Da die Wege zur Kirche oft weit sind, bringen die Gemeindeglieder ihre Gaben erst am Sonntag mit. Singend und tanzend werden sie nach vorne gebracht und abgelegt. Mitunter sind auch lebende Tiere dabei. Mal ist es eine Ente, mal ist es ein Ferkel. Nicht zu vergessen die Kollekte. Da kommt nicht nur zusammen, was eben so zusammenkommt. Da wird vorher ein Spendenziel bekannt gegeben und dann wird solange gesammelt, bis es erreicht ist. Erntedank auf Portugiesisch heißt: »Ação de graças«. Wörtlich übersetzt heißt das: Dankbarkeit in Aktion. So geht es neben dem Dank an Gott, den Schöpfer, auch immer darum, die Versorgung der Pastorinnen und Pastoren zu sichern. Das ist besonders wichtig, wenn das Leben vieler Menschen von Armut geprägt ist. Erntedank bedeutet für unsere Partnerkirchen also immer zweierlei: Der Dank an Gott und die Fürsorge für andere.