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Malawi

Pannen und Wunder

Missionssekretär Olav Schmidt lebte sieben Jahre in Malawi. Jetzt war er wieder dort und gibt Eindrücke der Reise weiter.

Die Stimme aus dem Cockpit reißt mich aus dem Schlaf. Da ich in der Nacht zuvor nur zwei Stunden geschlafen habe, habe ich die vergeblichen Landeanflüge verpasst. Der Flug wurde wegen Nebels zunächst umgeleitet. Erst mit drei Stunden Verspätung landen wir in Malawis Hauptstadt Lilongwe. Ich werde schon sehnsüchtig von Mlenga und Tiwonge Mvula und Superintendent Felix Thawi erwartet.

Bis an die Enden der Erde 

Wir wollen nach Kalikumbi, rund vier Stunden Autofahrt entfernt, die letzten zwei davon auf ungeteerten und ausgewaschenen Straßen. 2017 war ich schon einmal hier. Vier Holzpfosten, eine Plane – das war die Kirche damals. Entstanden war sie, als das Kind von Mlenga und Tiwonge bei einem tragischen Unfall ums Leben kam und im Heimatdorf des Vaters beerdigt wurde. Aus der Trauerfeier wuchs eine Gemeinde. Mit eigenen Mitteln baute man dort Kirche und Pastorenwohnhaus. Als diese Gebäude durch starke Regenfälle zerstört wurden, half die EmK-Weltmission beim Wiederaufbau. Letztes Jahr wurde ich erneut auf die Gemeinde aufmerksam. Sie hätten alle Umlagen bezahlt und zusätzliche Spenden gegeben, wurde mir berichtet. Grund genug, die Gemeinde noch einmal zu besuchen.

Die Dunkelheit braucht man nicht zu fürchten, …

Mlengas Auto hatte schon auf dem Weg zum Flughafen mehrere Pannen. Ein gebrauchter Kühler wurde eingebaut. Doch er ist so verdreckt, dass er noch einmal ausgebaut und gereinigt werden muss (warum hat man das eigentlich nicht gleich gemacht?). So erreichen wir Kalikumbi erst nach Einbruch der Dunkelheit. Rund 90 Frauen und Männer sind gekommen. Viele von ihnen kommen aus weiter entfernten Gemeinden, denn hier gibt es heute neun Gemeinden mitten im Nirgendwo.

Ich ermutige dazu, für den Gottesdienst am nächsten Morgen Großes von Gott zu erwarten. Einige werden daraufhin wohl die ganze Nacht durchgebetet haben. Dass ich selbst nur zwei Stunden Schlaf bekommen werde, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Über kleinste Straßen und Pfade machen wir uns auf den Weg zur Unterkunft. Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Ein tiefes Wasserloch versperrt den Weg. Bei der Suche nach einer Alternative landen wir in einem sumpfigen Loch. Beim Überfahren eines Baumstumpfes platzt ein Reifen und beim Versuch, das Auto freizuschaukeln, gibt die Batterie den Geist auf. So stecken wir schließlich quer zum Weg bis zu den Achsen im Matsch fest. Das nächste Dorf ist irgendwo da draußen in der Dunkelheit, mehr als einen Kilometer entfernt. 

…wenn andere mit anpacken!

Während meine Freunde Hilfe holen, hole ich etwas Schlaf nach. Aufgeregte Stimmen wecken mich. Es haben sich fast zehn Menschen auf den Weg gemacht, um uns zu helfen. Mit vereinten Kräften heben und schieben wir das Auto aus dem Matsch und dann weiter bis zum nächsten Hof. Dort warten wir auf einen Mechaniker. Er bringt einen Wagenheber und einen Radschlüssel mit, denn diese Dinge gibt es in unserem Auto nicht, wohl aber einen Reservereifen. Schließlich ist der Reifen gewechselt und wir erhalten Starthilfe. Wir können uns auf den Weg zur Unterkunft machen.

Erwartungen werden übertroffen,…

Nach zwei Stunden Schlaf geht es wieder nach Kalikumbi. Die Frauen tragen das Abendmahl in die Kirche, wir folgen ihnen in einer kleinen Prozession. Die Chöre singen, dann folgt die Lobpreiszeit mit Gebet. Danach bin ich mit der Predigt dran. Mein Thema lautet: »Jesus ist dein Retter, aber lässt du ihn auch Herr deines Lebens sein?« Ich führe aus, welche Schritte man gehen muss, um durch Jesus gerettet zu sein: Glaube, Gehorsam und ein neues Leben. Dann wage ich es und frage: »Wer bekennt sich zu Jesus als Retter und Herr?« Ich bitte alle, die Augen zu schließen und die Hand zu heben. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass sich mehr als 20 Menschen dazu bekennen. Jetzt nimmt die Sache noch ein wenig Fahrt auf. Am Beispiel von Maria und Josef zeige ich auf, was es bedeutet, eigene Träume für Gottes Vision zu opfern. 

Dabei male ich keine glorreichen Bilder einer großartigen Perspektive, sondern betone das Schwere dabei. Als wir dann diejenigen auffordern, aufzustehen, die bereit sind, ihre Träume zu opfern, erwarte ich keine Reaktion. Doch tatsächlich erheben sich drei Frauen. Nun übernimmt der Pastor, stimmt ein Loblied an und betet ein Gebet für diejenigen, die sich heute zum ersten Mal zu Jesus bekannt haben.

…wenn man Gott vertraut 

Wir machen uns auf den Rückweg. Kaum haben wir die Teerstraße erreicht, ist der Tank leer. Obwohl es eine Benzinknappheit gibt, gibt es hier Kraftstoff in Fülle. Das Leben mag manchmal voller Schlaglöcher und Riesenpfützen sein und uns an unsere Grenzen bringen. Gott erfüllt uns wieder neu mit Kraft. Als wir später noch einmal tanken, um ans Ziel zu kommen, finden wir nur eine Tankstelle, die gerade noch 30  Liter hat. Genau die Menge, die wir brauchen, um vollzutanken. Leider gibt es dann doch kein »Happy End« dieser Odyssee: Zwei Stunden vor dem Ziel gibt die Zylinderkopfdichtung den Geist auf. Meine Termine am Abend sind geplatzt. Ich finde darüber Frieden und lasse mir von Gott neue Prioritäten setzen. 

Die Moral von der Geschichte 

Uns ist oft gar nicht bewusst, unter welch widrigen Umständen Pastorinnen und Pastoren in afrikanischen Ländern wie Malawi ihren Dienst tun. Meilenweit von größeren Straßen entfernt entstehen Gemeinden, in denen Menschen Jesus begegnen. Doch dabei belässt es die Kirche nicht. Die EmK-Weltmission und andere Partner helfen mit, das Leben der Menschen zu verbessern. So wurde in Kalikumbi ein Brunnen gebohrt und ein Kindergarten eröffnet. 

Solche Hilfe wird durch die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen immer schwieriger. So kostet beispielsweise ein neues, großes, geländegängiges Fahrzeug wie der Landcruiser in Sierra Leone etwas über 20.000 Euro, in Malawi hingegen aufgrund hoher Einfuhrzölle rund 50.000 Euro. Ersatzteile kosten das Dreifache des deutschen Preises und der Benzinpreis liegt bei 3,32 Euro pro Liter. Reisen sind extrem kostspielig und die Konferenz verfügt nur über zwei sehr alte, kleinere Fahrzeuge, die ständig ausfallen und notdürftig repariert werden. Projektbesuche werden daher seltener und sind kaum planbar. 

All das durfte ich nun am eigenen Leib erfahren, miterleben und mitbeten. Diese Reise hat mich demütiger, dankbarer und offener gemacht für Gottes Wirken. 

Olav Schmidt