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Sierra Leone

Kulturelle Unterschiede

Sierra Leone und Deutschland unterscheiden sich in Tradition und Kultur.

An vielen Stellen macht sich bemerkbar, wie sehr sich unsere Kultur von der sierraleonischen unterscheidet. Oft stellen uns diese Unterschiede vor Herausforderungen, wie die nachfolgende Geschichte zeigt:

Ein junger sierra-leonischer Freund berichtete von einem Mädchen, das er gut kannte. Sie erschien schon seit einiger Zeit nicht mehr in der Schule, und er fand heraus, dass sie eine schwere Erkrankung am Bein hatte und in ihrem kleinen Dorf zu Hause lag. In das Gesundheitszentrum nach Jaiama kam sie aber leider nie. Er erzählte dem leitenden Arzt Vandi Koroma von der Situation, der sich daraufhin mit dem Geländewagen auf den Weg machte, um das Mädchen bei ihren Eltern im Dorf zu besuchen. Dort stellte sich heraus, dass sich die Wunde gefährlich entzündet hatte.

Das Mädchen gehört mit ihren Eltern und vielen anderen im Dorf zu einer besonderen christlichen Gemeinschaft, in der es den Mitgliedern nicht erlaubt ist, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie hatten schon oft für ihre Heilung gebetet, aber die Wunde verschlimmerte sich trotzdem. Nach einem langen
Gespräch mit den Eltern und Gemeindeältesten erlaubten diese ausnahmsweise, dass das Mädchen am nächsten Tag in die Klinik gebracht werden durfte. Die Gemeindeältesten versprachen außerdem, dass sie auch in Zukunft Klinikbesuche erlauben würden, wenn das Mädchen wieder gesund würde. Nun hat die Behandlung angeschlagen und die Wunde verheilt zusehends. Dank sei unserem großen Gott! 

Alte Strukturen ändern sich nur schwer

Neben extremen christlichen Gruppen sind es meistens die Zauberer des Geheimbundes, bei denen viele Menschen Hilfe suchen, wenn sie krank oder verletzt sind. Wenn die Infektionen dann zu schlimm werden, ist es meist der nächste Schritt, in die örtliche Apotheke zu gehen. Dort gibt es zwar Injektionen und Medikamente, aber die Ursache wird nicht behandelt. Werden die Krankheit oder die Wunden immer schlimmer, kommen die Menschen doch zu uns in die Klinik. Die Herausforderungen vor denen der Arzt und das Klinikpersonal dann stehen sind dementsprechend groß. In vielen Fällen ist es zu dem Zeitpunkt bereits zu spät für jede Hilfe. 

Dieses Verhalten ist sehr tief in der Kultur verwurzelt, obwohl die Klinik schon seit fast 150 Jahren besteht und bis zu 10.000 Patienten im Jahr behandelt. Ein großes Gebetsanliegen ist es für uns, dass sich diese tiefsitzenden Strukturen verändern, damit die Menschen vor Ort die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Dieter Monninger