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21.04.2016

Ebola war ein Weckruf

Wie man eine Laus packt und was das mit Missionspartnerschaft zu tun hat, erklärte George Wilson aus Liberia bei der Frühjahrssitzung der Weltmission

V.l.: Frank Aichele (Missionssekretär EmK-Weltmission, Deutschland), George Wilson (EmK Liberia), Bischöfin Rosemarie Wenner (EmK Deutschland), Francis Charley (EmK Sierra Leone) bei der Sitzung der Kommission für Mission und internationale kirchliche Zusammenarbeit in Nürnberg.

Die Kommission für Mission und internationale kirchliche Zusammenarbeit (KMiZ) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) traf sich zu ihrer Frühjahrssitzung am vergangenen Wochenende in Nürnberg. Themenschwerpunkt der Sitzung war die Begegnung mit zwei Vertretern aus den westafrikanischen Partnerkirchen in Sierra Leone und Liberia und die Entgegennahme der kürzlich fertiggestellten Arbeitshilfe zum Thema Menschenhandel.

Mission braucht gegenseitigen Respekt

"Um eine Laus zu packen, brauchst du zwei Finger", erklärte Pastor George Wilson aus Monrovia, Leiter der kirchlichen Programme und Arbeitsbereiche im Büro des Bischofs der EmK in Liberia. Mit diesem Bild beschrieb er, wie er die internationale Missionspartnerschaft zwischen der EmK in Deutschland und Liberia versteht. "Ihr in Deutschland lebt zwar in einer entwickelten Welt und wir in Liberia in einer zu entwickelnden Welt, aber wir kommen zusammen, um Gottes Mission auszuführen", war seine Zusammenfassung für eine Partnerschaft, die zwar nicht die gleichen Startbedingungen habe, aber "in Gott eins" sei und darum auf Augenhöhe. Francis Charley, Superintendent und Vorsitzender des bischöflichen Kabinetts der EmK in Sierra Leone, ergänzte diese Beschreibung, indem er den gegenseitigen Respekt in der Zusammenarbeit hervorhob. "Wenn kein gegenseitiger Respekt vorhanden ist, zerbricht die Zusammenarbeit", erklärte er. Es gebe zwar immer "Starksein" und "Schwachsein" in einer Partnerschaft. Aber "in einer wahren Partnerschaft wird damit achtungsvoll umgegangen", betonte er.

Ebola: Fluch und Segen

Die zwei Gäste erzählten ausführlich über die zurückliegenden dramatischen Ereignisse durch die Ebola-Epidemie für West-Afrika. In ihren beiden Ländern waren die staatlichen Strukturen und die medizinischen Dienste mit der Bewältigung der Ebola-Epidemie überfordert. Es seien die Kirchen mit ihren internationalen Strukturen und Kontakten sowie deren Katastrophenmanagement und Einsatzerfahrungen aus missionarischen und entwicklungspolitischen Programmen gewesen, die nachhaltige Hilfe einbrachten. Daran habe auch die EmK maßgeblich mitgewirkt, indem sie mit ihren internationalen Partnern aus den USA und Europa zur Eindämmung und Überwindung der Ebola-Krise beigetragen habe. "Wir gingen in jede Ecke des Landes und sahen wie so viele Menschen starben. Uns war klar, dass wir medizinische Hilfe benötigten, aber noch mehr brauchten wir die Ermutigung des Glaubens", beschrieb Superintendent Charley die Wochen, in denen die Katastrophe ihrem hoffnungslosen Höhepunkt zustrebte. "Euer Einsatz für uns in Sierra Leone war großartig", sagte er den KMiZ-Mitgliedern. "Meine Worte reichen nicht aus, um den Dank für eure Hilfe auszudrücken." Neben der Not und vielen Schmerzen "war Ebola aber auch segensreich für unser Land", ergänzte Pastor George Wilson, und lenkte damit den Blick noch auf einen anderen Aspekt dieser Krise. "Es war ein Weckruf an unsere Regierung, weil das Gesundheitssystem völlig marode ist und der Staat nicht in der Lage war, auf diese dramatische Gefahr zu reagieren." In dieser Situation haben sich die Kirchen als "zuverlässige Partner des Staates" erwiesen und wesentlich zur Überwindung der Krise beigetragen. Voraussetzung dafür seien aber die internationalen Verbindungen der Kirchen gewesen, auch die internationale Partnerschaft mit der EmK in Deutschland.

West-Afrika im Neuaufbau nach der Ebola-Krise

Beide Länder sind inzwischen ebolafrei und kehren zu einer gewissen Normalität zurück, "die aber immer noch von Vorsicht und vor allem von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt ist", wie Frank Aichele berichtete. Der Missionssekretär der EmK-Weltmission aus Wuppertal hatte beide Länder im Dezember vergangenen Jahres besucht. Dabei ging es vorrangig darum, wie die bestehenden Projekte weitergeführt werden könnten oder wo Bedarf für neue Aufgaben besteht.

Bedeutende Schwerpunkte würden dabei im Gesundheitswesen und Bildungsbereich liegen. So werde in Sierra Leone die gut durch die Ebola-Zeit gekommene Klinik in Jaiama durch internationale Hilfsangebote zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens bauliche Verbesserungen erhalten.

Das Ausbildungszentrum für Mädchen in Konomusu im Osten von Sierra Leone habe zwischenzeitlich auch wieder den Betrieb aufgenommen. Auch in der weiterführenden Schule Njagboima im weiter südlich gelegenen Bo finde der Unterricht wieder statt. Sie ist laut Charley eine der besten Schulen des Landes.

In Liberia soll das Landwirtschaftsprogramm und die Arbeit mit gehörlosen Menschen weiter ausgebaut werden.

Außerdem baue die EmK in Liberia ihr Programm für die soziale Versorgung alter Menschen aus. Diese würden im Alter oft vernachlässigt und seien ohne Perspektiven, weil die jungen Menschen alles für den Neuaufbau ihrer eigenen Existenz einsetzten.

Die EmK ist laut Wilson die einzige Organisation im Land, die sich mit Altersheimen und Programmen für alte Menschen einsetzt.

Neben verschiedenen Maßnahmen zur Förderung des Wiederaufbaus der beiden Länder und der Weiterentwicklung von kirchlichen Programmen will die KMiZ ein Austauschprogramm zwischen Jugendlichen aus Sierra Leone, Liberia und Deutschland starten. Die Mitglieder der Kommission versprechen sich davon, dass Jugendliche für ihre weitere Entwicklung geprägt werden könnten, wenn sie sich und ihre jeweilige Lebenswirklichkeit gegenseitig kennenlernen. Wenn sie die Herausforderungen und Chancen internationaler Verflechtung und Weiterentwicklung erkennen, könnten sie sich persönlich und beruflich stärker für respektvollen Umgang und nachhaltige gesellschaftliche Prozesse einsetzen.

Herausforderung Menschenhandel

Im Rahmen der KMiZ-Sitzung stellte Holger Sieweck die im Auftrag der KMiZ erstellte Arbeitshilfe »Menschenhandel heute« vor. "Die Beschäftigung mit diesem Thema hat uns die Augen geöffnet für die Not und das Leid weltweit, aber auch mitten unter uns", sagte der in Berlin-Friedenau tätige Pastor. Die von der KMiZ geförderte Arbeitshilfe ist bereits in allen EmK-Gemeinden verteilt und kann von Interessenten auch bei der Wuppertaler Geschäftsstelle der Weltmission angefordert werden. Besonders um die Zeit des Europatags gegen Menschenhandel am 18. Oktober herum sind die Gemeinden der EmK eingeladen, sich dieses Themas anzunehmen.

Missionsfreizeit in Schwarzenshof

Für die nächste Missionsfreizeit vom 4. bis 9. Oktober in Schwarzenshof ist als Gastreferent Thomas Kemper angekündigt. Der frühere Missionssekretär der EmK-Weltmission und Vorgänger von Frank Aichele ist inzwischen Generalsekretär des weltweit tätigen Internationalen Missionswerks der EmK. Unter dem Thema der Missionsfreizeit »Zwischen Traum und Wirklichkeit« wird Kemper aus seinen Erfahrungen der weltweiten Missions- und Entwicklungsarbeit berichten.

Bei der Missionsfreizeit werden außerdem zwei Jugendliche aus ihren Weltwärts-Einsätzen in Uruguay und Namibia berichten.

Text und Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit