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»Das ist das schönste für mich, dass es in Sierra Leone weitergeht!«

Dieter Monninger, Physiklehrer im oberbayerischen Weilheim, hatte sich für ein Schulhalbjahr beurlauben lassen und war von März bis September im Auftrag der Weltmission in Sierra Leone, um Aufbauarbeit zu leisten und Hilfsprojekte zu koordinieren.

Christine Haag-Merz hat ihn nach seinen Erfahrungen gefragt.

Ist Ihre Seele schon in Deutschland angekommen oder hängt sie noch in Sierra Leone?

Ich bin immer noch ein Wanderer zwischen den Welten. Als ich vor vier Wochen nach Deutschland zurückgekommen bin, war ich richtig traurig. Nicht, weil ich nicht gerne hier leben würde, aber ich konnte irgendwie nicht fröhlich sein. Alles ist so auf mich eingestürzt. Jetzt bin ich so langsam wieder angekommen. Die Traurigkeit ist weg, aber die Sehnsucht nach Sierra Leone bleibt.

Was vermissen Sie denn in Deutschland?

Es ist manchmal einfach frustrierend hier. Gestern zum Beispiel wollte ich etwas per Online-Banking überweisen, dann hieß es "Ihre Lizenz ist abgelaufen!" Ständig so Papierkram, völlig unnötig. In Sierra Leone leben die Menschen mit viel mehr innerer Ruhe; sie leben nicht nur den Augenblick bewusster, sondern auch viel herzlicher, viel wärmer. Das bedeutet mir sehr viel. In Deutschland heißt es oft: "Wenn ich nur mehr Zeit hätte .." Das tut mir weh.

Dann sind die Menschen in Sierra Leone tatsächlich glücklicher?

Sierra Leone ist das zweitärmste Land der Welt, die Lebenserwartung liegt bei 36 Jahren. Dort haben die Menschen so wenig, vielleicht gerade eine Hütte mit ein paar wenigen Dingen. Aber das reicht dann einfach. Mehr braucht man eigentlich nicht zum Leben.

Klinikbetrieb im Gesundheitszentrum in Jaiama

Wie wurden die Projekte ausgewählt?

Ich hatte viele intensive Gespräche mit Bischof Humper. Uns verbindet eine enge Freundschaft. Ich habe ihn gefragt: "Was steht an? Wo braucht ihr unsere Hilfe jetzt nach dem Krieg am nötigsten?" Und dann haben wir eine Liste gemacht, Kostenvoranschläge eingeholt und miteinander gebetet. Zu den großen Vorhaben gehörten eine Schule in Bo und Panguma, die wir teilweise wieder aufgebaut haben. Und dann natürlich das Gesundheitszentrum in Jaiama, das ja auch viele EmKler aus Deutschland kennen. Und noch einiges nebenher, was zu erledigen oder zu richten war.

Wer hat Ihnen dabei geholfen?

Ich hatte ein ganz tolles Team. Drei Männer, die ich alle schon von früher kannte: Abu, ein arbeitsloser Schreiner, der ganz genial Häuser bauen kann, unglaublich! Michael, der sich bisher mit schlecht bezahlten Farmarbeiten durchgekämpft hatte. Und dann Dennis – ein Afrikaner der neuen Art. Er hat schon viele Projekte für andere Hilfsorganisationen durchgeführt und ist absolut verlässlich. Er wird auch weiterhin für die Weltmission in unserer Partnerkirche arbeiten.

Dennis und Michael aus dem Team - Dennis wird die Hilfsprojekte in Zukunft weiter begleiten

Dennis führt also die Projekte weiter?

Ja, er ist ein absoluter Glücksfall für uns und für dieses Land – eine echte Gebetserhörung! Zu seinen Aufgaben gehört jetzt, bei der Weiterentwicklung der Klinik in Jaiama zu beraten, den Bau eines weiteren Gebäudes dort zu beaufsichtigen, HIV/Aids-Workshops in den Oberschulen und in den Dörfern durchzuführen, bei der Pastorenausbildung mitzuwirken und vieles mehr. Dennis hat so viele Ideen, das ist wunderbar! Er hat ein gutes Gespür für Menschen. "Ich mach’s auf sierra-leonische Weise", hat er manchmal zu mir gesagt, wenn ich mal wieder ungeduldig war. Und er hat Recht behalten. Das ist absolut faszinierend, was er alles bewegt. Und dabei verzichtet er auf den großen Verdienst, den er bei anderen Entwicklungshilfeorganisationen bekommen würde. Die Weltmission kann nicht so viel bezahlen. Aber das macht er ganz bewusst, denn "ich will am liebsten für meine Kirche arbeiten", sagte er mehrmals zu mir. Ist das nicht direkt von Gott eingefädelt? Das ist das schönste für mich, dass es in Sierra Leone weitergeht!

Treffen mit den Dorfältesten: Dieter Monninger (ganz rechts auf dem Stuhl) im Gespräch mit den Dorfältesten in Jaiama

Und Sie wollen auch wieder hin?

Wer nur einmal in Afrika war, verliert ein Stück seines Herzens an diesen Kontinent und die fröhlichen Menschen. Es ist so ein wunderbares Land, so tolle Leute, aber noch unglaublich viel zu tun! Geplant ist bereits der nächste Einsatz im Frühjahr 2007. Ich werde mit einer Arbeitsgruppe eine kleine Solaranlage auf das Dach der Klinik in Jaiama bauen. Wenn wir dort Strom haben, können wir endlich Impfstoff für Kinderschutzimpfungen kühlen – das ist bisher noch nicht möglich. Natürlich möchte ich gerne mal wieder mit meiner Frau längere Zeit dort leben und arbeiten, aber da bin ich gespannt, was Gott mit uns vorhat. Ihm kann ich gerne vertrauen. Das habe ich im letzten halben Jahr in Sierra Leone wieder hautnah erlebt.

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