Sie sind hier: Länder > Sierra Leone > Berichte aus Sierra Leone > 

Onlinespende HelpDirect

jetzt online spenden

Weitere Infomationen

Spannender Folgeeinsatz [siehe]

Fexibel muss man sein [siehe]

Zwei Container voller Zukunft [siehe]

Das Warten hat sich gelohnt [siehe]

Ausbildungszentrum mit Wow-Faktor [siehe]

13.07.2022

Dass ihr da seid, gibt uns wieder Hoffnung

Im Juni war wieder ein Workteam der Gewerblichen Schule Waiblingen zu einem Einsatz in Sierra Leone. Was die vier Schüler:innen und ihr Berufsschullehrer Hans-Georg Billes erlebt haben, beschreibt er hier:

Die Reisenden (v.l.n.r.) Justin, Hans-Georg, Natalie, Fabio und Julian werden vom Projektmitarbeiter Abu (3.v.l.) zum Flughafen gebracht

Obige Aussage zur Hoffnung charakterisiert unseren Juni-Einsatz im Distrikt Kono, in einer der ärmsten Regionen unserer Welt. »Wir« sind vier Auszubildende und ein Lehrer der Gewerblichen Schule aus Waiblingen, die sich am Pfingstwochenende auf den Weg gemacht haben, die Schulpartnerschaft mit der noch sehr jungen Ausbildungsstätte KONOKAI in Koidu-City (Sierra Leone) zu stärken – gespannt, was uns da erwartet.

Das Projekt Konokai wird von der EmK in Sierra Leone – in Kooperation mit der EmK-Weltmission aus Deutschland – betrieben und von der Berufsschule Waiblingen seit ca. vier Jahren mit Werkzeugen, Maschinen und allerlei Hardware sowie ganz viel Logistik unterstützt. Bis auf 2020 ist inzwischen in jedem Jahr mindestens ein Team in einem Arbeitseinsatz vor Ort gewesen.

Die Werkstatt am Anfang des Einsatz

Dennoch: Wieso ist die »Hoffnung« so ein wesentliches Element bei diesem Einsatz? Die aktuelle weltpolitische Lage macht so einen Einsatz nicht einfach: Krieg in Europa, Corona und Teuerung in allen Bereichen des Lebens drücken selbst dem hintersten Eck der Tropen ihren Stempel auf. Hinzu kommen noch viele offene Fragen der Verantwortlichen vor Ort, wie und ob so ein Aufbau einer Berufsschule funktioniert. Schließlich hat keiner von ihnen so etwas schon erlebt bzw. in so einer Einrichtung gelernt.

Wir fanden neben vielen Fragen auch die im letzten Jahr gelieferten Container, Maschinen, Werkzeuge und Materialen wieder. Es lag noch fast alles an dem Platz, wo es ausgeladen wurde. Wir konnten somit an den letztjährigen Einsatz anknüpfen und mit unserer Arbeit starten.

Die vielen Kisten in den Metallwerkstätten wurden passend zugeordnet, Werkbänke aufgebaut, Schubladen mit Werkzeug bestückt, Messmittel gereinigt und gängig gemacht, Schrauben sortiert u.v.m.

Die Gerätschaften werden aufgebaut

Schon nach wenigen Tagen hat das gemeinsame und strukturierte Räumen mit den Trainern und Lehrlingen vor Ort einen ganz anderen Blick auf die Werkstätten ergeben. Die Erfahrungen unserer Auszubildenden in ihren eigenen Betrieben waren dabei sehr hilfreich.

Parallel dazu sollten Maschinen und Vorrichtungen der Metall- und Holzbearbeitung aufgebaut und in Betrieb genommen werden. Nach erfolgreicher Inbetriebnahme wurden die Mitarbeiter vor Ort in die Nutzung und Instandhaltung der Gerätschaften eingewiesen, was so manchen erhellenden Blick zur Folge hatte.

Anleitung an der neuen Bandsäge

Auch hierfür ein Beispiel der »Hoffnung«: die Bandsägen der Schreiner konnten seit etlichen Wochen nicht mehr genutzt werden, weil alle Sägebänder gerissen waren und eine Reparatur in der Stadt sehr teuer ist. Nun fand sich aber an der Metallbandsäge eine kleine Vorrichtung, mit der gerissene Bänder repariert werden können. Natalie hat diese Vorrichtung getestet, in Betrieb genommen und den lokalen Auszubildenden beigebracht, ihre eigenen Bänder selbständig zu reparieren. Große Freude und Begeisterung war da: »Jetzt können wir es selbst!«

Andere Maschinen wurden unter Anleitung den Mitarbeitern vor Ort übergeben.

Eine Erfrischung neben der Arbeit

Neben all diesen technischen Inputs und Aha-Erlebnissen haben vor allem die Begegnungen während der Arbeit, in den Pausen, vor und nach der Arbeit beide Seiten berührt. Ob beim Sightseeing in der größten Moschee der Stadt oder dem gemeinsamen Gottesdienstbesuch am Sonntag, ob beim Softdrink, der die Arbeitswoche abschließt und das Wochenende einleitet, oder einfach nur Quatschen und einander aus dem Leben erzählen, alle Begegnungen haben sich als bereichernd herausgestellt.

Die Elektriker nehmen die Maschinen in Betrieb

Was wäre so ein Einsatz ohne Sonderaufgaben, die zum Teil schon davor klar waren oder sich vor Ort ergeben hatten. Wir sind dankbar für Gelingen und Bewahrung bei der Umsetzung:

  • Starten des Schleppers, der seit letztem Jahr wohl unberührt abgestellt war, und Erteilen erster Fahrstunden an ausgewählte Trainer des Projektes
  • Umsetzen eines 12m-Containers innerhalb der Stadt zur GISS (einer anderen Schule) mit sehr begrenzten Transportmitteln
  • Übergabe von Laptops, die wir dieses Mal in unserem Fluggepäck mitgebracht hatten, inklusive einer halbtätigen Schulung
  • Instandsetzung und Reparatur diverser Maschinen. Dabei zeigte sich besonders, dass ein Elektriker für den Schulkomplex dringend benötigt wird
Gottesdienstbesuch am Sonntag

Zum Schluss dieses Berichtes möchten wir dankbar auf den gesamten Einsatz zurückschauen, der mit vielen Stolpersteinen im Vorfeld dann doch noch stattfinden konnte. Wir sind in etlichen kritischen Situationen bewahrt geblieben und konnten viele wunderbare Menschen kennenlernen. In diesen Begegnungen haben wir uns gegenseitig in unserem Mensch-Sein bereichert und konnten uns Gutes tun.

Wir sind auch für die vielfältige Hilfe durch diverse Projektpartner dankbar, wie die EmK Sierra Leone und EmK-Weltmission, der Senior Expert Service in Bonn und die Gewerbliche Schule Waiblingen und nicht zuletzt auch die Betriebe der Auszubildenden.

Das Projekt Konokai hat in dieser wunderschönen Region unseres Planeten das Potential, für viele Menschen Perspektiven zu schaffen, damit die Hoffnung lebt.

Ein herzliches »Ingue« (d.h. »Dankeschön« in der lokalen Sprache der Kono) und vielfach erklungenes »Kassia tama« (bedeutet »Dank sei Gott«) sagen:

Natalie Krath, Justin Back, Fabio Schulze, Julian Tränkle und Hans-Georg Billes

Schulung an den neuen Computern
Mit neuer Garderobe und vielen Erfahrungen im Gepäck geht es nach Deutschland zurück