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Hildegard Grams ist im April 2001 aus Indien nach Deutschland zurückgekehrt. Sie war dort 48 Jahre in der Erziehungsarbeit der Evangelisch- methodistischen Kirche Indiens tätig. Die längste Zeit davon in Batala im nordindischen Bundesstaat Punjab. Dort leitete sie eine Schule mit Internat und baute eine Ausbildungsstätte für Erzieherinnen auf.

Am 05.02.2007 ist Hildegard Grams im Alter von 86 Jahren verstorben

Buch über die Arbeit von Hildegard Grams

 "Hildegard Grams - Ein Leben für Indien", so lautet der Titel des Buches über das Leben und Wirken von Hildegard Grams [siehe]

Heimweh nach Batala

Ein Reisebericht von Hildegard Grams †

Erster Teil

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Reise nach Indien

Ich saß wieder im Flugzeug, das von Frankfurt in Richtung Indien nach Delhi flog! Nach meiner Rückkehr nach Deutschland vor 3 ½ Jahren, war dies nun das erste Mal, dass ich für einen sechswöchigen Besuch wieder auf dem Weg nach Indien war. Das Flugzeug flog ruhig, doch meine Gedanken hatten keine Geschwindigkeitsbegrenzung, sondern eilten in einem rasenden Tempo nach Batala, um zu erkunden, was, wie und wen ich wohl dort antreffen würde. Die sieben Stunden Flugzeit vergingen so schnell, dass ich gar nicht merkte, dass das Flugzeug bereits zum Landen ansetzte. Ich war in Indien - Delhi!

Aussteigen, Pass- und Gepäckkontrolle und weiter zum Ausgang. Es ging alles viel zu langsam, denn ich hatte schon meine Freunde aus Batala und sie mich entdeckt und wir winkten einander zu. Dann kam das Schönste: die persönliche Begrüßung, die recht stürmisch und bewegt vor sich ging. Nach indischem Brauch bekam ich eine Girlande nach der anderen umgehängt, so dass ich kaum darüber hinwegsehen konnte. Für uns schien die Zeit stehen geblieben zu sein, denn wir merkten gar nicht, dass es schon drei Uhr morgens war! Wir blieben noch einen Tag in Delhi, denn der Bischof der methodistischen Kirche in Delhi erwartete uns am nächsten Vormittag. Als wir dann am nächsten Morgen durch die Straßen fuhren, war das altbekannte Bild wieder da: Die Menschen, die in ihrer staubigen und schmutzigen Kleidung die Rikschas zogen oder fuhren, der Karren, der von kleinen halbverhungerten Pferden oder Maultieren gezogen wurde. Die verschwitzten Menschen in ärmlicher Kleidung ließen keinen Zweifel über eine erdrückende Armut. Daneben dann aber auch viele Autos, die den Wohlstand demonstrierten. Indien, ein Land der großen Gegensätze! Nicht zu übersehen waren die vielen Menschen, darunter wieder die vielen Kinder, die betteln. Man bekommt ein Bild der Armut und der Trostlosigkeit.

Ankunft in Batala im Norden Indiens

Wir setzten unsere Reise in den Punjab mit dem Zug fort. Auf dem Bahnhof in Delhi hatten wir alle Mühe, unseren Weg zu finden ohne von den Kulis und anderen Reisenden umgeworfen zu werden. Vor uns lagen nun 10 Stunden einer verhältnismäßig guten Fahrt.

In Beas wurden wir mit dem Auto abgeholt und wussten: in einer Stunde sind wir zu Hause. Inzwischen ging es auf 11 Uhr nachts zu und ich dachte, dass ich ganz still und leise ins Zimmer gehen könnte, um mich zur Ruhe zu legen.

Hildegard Grams Girlanden zur Begrüßung

Doch nun kam eine neue Überraschung auf mich zu und ich kam aus dem Staunen nicht heraus: Das Auto hielt vor dem Tor, ich musste aussteigen und sah mich mehr als dreihundert Kindern gegenüber, jedes hatte eine Girlande in der Hand. Als sie mich sahen, gab es bei ihnen kein Halten mehr. Sie stürmten auf mich zu und riefen immer wieder: "Unsere Mutter ist wieder zu uns gekommen! Unsere Mutter ist wieder zu uns gekommen!" Nun gab es fast Kämpfe untereinander, wer seine Girlande mir zuerst umhängen konnte. Die Musikkapelle spielte und die Jungen tanzten den Weg entlang bis zum Wohnhaus. Die ausgelassene Stimmung wollte kein Ende nehmen. Nur das "wir sehen uns ja morgen wieder" konnte die Kinder bewegen ins Hostel und zu Bett zu gehen. Einen solchen bewegenden und herzlichen Empfang hatte ich mir wirklich nicht vorgestellt. In den nächsten Tagen hatte unser Gelände wohl selten so viele Besucher aus der Stadt wie aus den Dörfern gesehen, die zum Begrüßen kamen. Die strahlenden Gesichter, die Girlanden, die Blumen ließen keinen Zweifel an der Freude des Wiedersehens aufkommen. Jeder wollte erzählen, was sich in ihrem persönlichen Leben in der Zwischenzeit ereignet hatte.

Besuche in den Dörfern

Dazu boten sich in den nächsten Wochen noch mehr Möglichkeiten: Unser Distrikt-Superintendent hatte für 3 Wochen einen Besuchsplan in den Dörfern aufgestellt. An jedem Tag gingen wir vormittags in die Dörfer, besuchten die Leute und hielten Gottesdienst. Wir schätzten die Gemeinschaft und den Austausch über Dinge, die sie bewegten und wir spürten, dass sie uns in ihr persönliches Leben einbezogen. Dann hatten wir ein gemeinsames Mittagessen. Ich genoss das echte indische Essen. Dann ging es in das nächste Dorf. Auch hier ein fröhliches Wiedersehen, ein Mitteilen, ein Austauschen.

Natürlich trugen sie auch ihre Wünsche vor, sowohl persönliche betreffs ihrer Kinder, wie auch zu helfen, dass das eingestürzte Pastorenhaus wieder hergerichtet wird, dass die gesenkte Kirche gehoben wird, und vieles mehr. Die Liste nahm meistens kein Ende. Es war nicht immer ganz einfach, sie auf ihre eigene Verantwortung hinzuweisen und zu sehen, wo sie selbst Hilfe leisten können.

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