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Projektliste 2019 des Fonds Mission in Europa

Alle Projekte des Fonds Mission in Europa finden Sie hier.. (4,7 MB)

25.10.2019

Warum ich?

Eine missionarische Aufbauarbeit einer Kirche kann nach strategischen Gesichtspunkten erfolgen. Manchmal braucht es aber auch einfach offene Augen, offene Ohren – und die Bereitschaft, einem Ruf zu folgen.

2011 war in der Slowakei eine Volkszählung durchgeführt worden. Dabei waren auch Daten bezüglich der Religionszugehörigkeit der Einwohnerinnen und Einwohner erhoben worden. Interessanterweise hatten damals 33 Menschen der nordslowakischen Stadt Dolný Kubín angegeben, der EmK anzugehören. Keiner hatte gewusst, wer diese Menschen waren, und eine methodistische Gemeinde hatte es dort, nahe der Grenze zu Polen, noch nie gegeben.

Patrick und Zuzana Hipp (kniend, 2./3. von links)

Auch Patrik Hipp, Pastor der EmK in der Slowakei, hätte sich diese Stadt nicht ausgesucht, um eine neue Arbeit zu beginnen – zu weit entfernt war sie von Senec, seinem damaligen Wohnort. Zudem gab es in der EmK Senec, einer noch jungen Gemeinde, wahrlich genügend Arbeit. Doch eines Tages schaute Patrik Hipp aus dem Fenster und sah auf dem Spielplatz eine Mutter mit Kindern. »Ich dachte: Genau solch junge Familien bräuchten wir für unsere Gemeinde. Und als ich mich fragte, weshalb wir sie nicht hatten, wurde mir klar, dass jemand dieser Frau von Gottes Liebe erzählen sollte.« Aber es war gerade kein »Jemand« anwesend. Deshalb bat Patrik Hipp seine Frau, auf den Spielplatz zu gehen. Ihre Reaktion war so kurz wie klar: »Warum ich?« Patrik Hipp ließ jedoch nicht locker: »Nun, warum ich? Du bist immerhin eine Frau. Bitte gehe zu ihr und sprich mit ihr von Frau zu Frau.« Seine Frau Zuzana ging, erzählte der Frau im Park von Gottes Liebe, lud sie zur Kirche ein – und sie kam tatsächlich. Sie begann sich für Gott zu öffnen und begab sich, begleitet von Zuzana Hipp, auf einen Weg der Nachfolge von Jesus Christus. Gemeinsam lasen die beiden Frauen in der Bibel, beteten, tauschten sich aus, lernten.

Der Ehemann dieser Frau hatte keine Freude an ihrem neu gefundenen Glauben, und er war gegen ihr kirchliches Engagement. Doch die Frau blieb ihrem Weg treu. Und irgendwann fand sie den Mut, ihren Mann einzuladen, doch selber in die Kirche zu kommen. Er tat es – und zur Überraschung aller mochte er sehr, was er da erlebte. Er kam wieder und wieder, und schließlich machte auch er sich auf den Weg des Glaubens.

Das Ehepaar hatte oft Leute aus Dolný Kubín zu Besuch. Irgendwann begannen sie auch diesen von ihrem Glauben und von Gott zu erzählen. Es brauchte mehr als einen Anlauf, aber plötzlich besuchten auch diese Gäste den Gottesdienst – und wurden tief in ihrem Herzen berührt. Es wurde fast zu einer Regel: Immer, wenn Gäste aus Dolný Kubín in Senec waren, wurden sie auch in den Gottesdienst mitgenommen. Zwei Personen aus Dolný Kubín ließen sich schließlich zur großen Freude aller, auch ihrer Familien, taufen.

Aber da war auch eine Traurigkeit. Wenn die Gäste die zwei Autostunden nach Dolný Kubín zurückfahren mussten, wussten sie, dass es dort keine solche methodistische Gemeinschaft gab. Immer häufiger baten sie deshalb Patrik und Zuzana Hipp, doch auch nach Dolný Kubín zu kommen und dort eine Arbeit zu beginnen. Im Wissen um die große Distanz fiel deren Antwort immer zögerlich aus. Und irgendwo war da auch wieder die Frage: »Warum ich?« »Aber«, so Patrik Hipp, »in einem schwachen Moment versprachen wir, darüber zu beten und einmal zu Besuch zu kommen.« Sie hielten ihr Versprechen – und es blieb nicht bei einem einmaligen Besuch.

Das Echo war positiv, und dann traf das Ehepaar Hipp eine Entscheidung: »Wenn es der Wille Gottes ist, werden wir in Zukunft zweimal monatlich nach Dolný Kubín fahren.« Und so war es. Ab 2017 wurden regelmässige Gottesdienste durchgeführt, und das Echo war sehr positiv. Bald begann die Zahl der Besucherinnen und Besucher aber wieder zu sinken. Auch die Familie von Senec, mit der alles begonnen hatte, gehört heute nicht mehr zur Gemeinde. Aber sie war Teil eines größeren Ganzen, und Gott hatte sie zu seiner Zeit gebraucht.

FUSION Musik-Projekt

Um die Entwicklung in neues Wachstum zu wenden, hielten die Gemeinde und das Ehepaar Hipp nach neuen Wegen Ausschau. Da einige von ihnen musikalisch sehr begabt sind, entwickelten sie ein Angebot mit diesem Schwerpunkt. Und besuchen aktuell zwischen 10 und 15 Personen den sonntäglichen Gottesdienst, so treffen sich jeden Freitag 17 bis 22 junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren, um gemeinsam Musik zu machen, zu singen – und etwas davon zu erfahren, was Gott durch die Bibel zu ihren ganz praktischen und aktuellen Fragen des Lebens sagt. Bereits hat sich eine Kleingruppe gebildet, in der dieses gemeinsame Nachdenken vertieft werden kann, und die nochmals eine ganz andere Gemeinschaft ermöglicht.

Patrik und Zuzana Hipp kennen die Frage »Warum ich?« Aber sie haben auch Gottes Gegenfrage gehört: »Warum nicht du?« Und indem sie Gottes Ruf folgten, bekamen sie die Gewissheit: »Es hat einen Sinn.« Vielleicht werden es bald mehr als 33 Menschen sein, die sich zur EmK in der Slowakei zugehörig fühlen. Und diesmal wird man wissen, wer sie sind.

Quelle: Pastor Patrik Hipp, Slowakei / Urs Schweizer, Zürich