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Südafrika

Ich will was verändern

Musik ist ein Gottesgeschenk, welches das Leben bereichert und erleichtert. Gali aus Südafrika kann ein Lied davon singen und tut es auch. Annekathrin Buchold hat sie interviewt.

Gali, wie sie von allen genannt wird, ist eine 27-jährige junge Frau, mit vollständigem Namen heißt sie Galaletsang Tau. Sie ist Mitglied der MCSA (Methodist Church of Southern Africa), hineingeboren in eine methodistische Pastorenfamilie, und wohnt in Nelspruit an der Grenze zu Mosambik. 
Die Teilnahme am Chorbegegnungsprojekt 2024 in Deutschland hat vieles in Bewegung gebracht.

Warum hast du dich für das Chorprojekt 2024 beworben? 

Ich sehnte mich sehr danach, wieder in einem musikalischen Umfeld zu sein. Während des Studiums sang ich in einer Lobpreisband mit. Ich freute mich auf eine musikalische Gemeinschaft, die besonders an Jugendliche gerichtet war.

Was waren deine Vorstellungen und was hast du erlebt? 

Ich hatte mir eher einen kulturellen Austausch und Musikfestivals vorgestellt. Letztendlich genoss ich jedoch das gemeinsame Singen in den gastgebenden Gemeinden und die dabei entstandene Gemeinschaft. Das Projekt hat mich an Chormusik herangeführt. Während des Vorbereitungscamps wollte ich beinahe aufgeben, weil ich mich überfordert fühlte. Wir mussten die Noten innerhalb von 36 Stunden lernen!

Glücklicherweise konnte ich diese Hürde überwinden.

Was hat sich für dich im Blick auf die Kirche und das Singen verändert? 

Als ich zurückkam, war mein Herz voller Lieder. Ich war bis dahin stets diejenige gewesen, die hinten in der Kirche saß – das heißt, eine der Letzten, die zum Gottesdienst kam, und eine der Ersten, die wieder ging. Mich aktiv in die Kirche einzubringen, darüber dachte ich erst nach meiner Teilnahme am Begegnungsprojekt nach. Dieser Funke führte mich zur Music Association. Sie ist der Chorverband der MCSA, der für Musik in der Kirche verantwortlich ist. Aktuell hat sie vorrangig die Chormusik der Schwarzen im Blick, öffnet sich aber nach und nach für andere Musikstile und Musikgruppen. Das Gespräch mit anderen Sängerinnen und Sängern aus Kirchenchören veränderte meine Sicht: Von einer Organisation, mit der ich mich nie identifizieren konnte, zu einer, der ich angehören und durch die ich dem Herrn dienen wollte. Kurz nachdem ich Mitglied der Music Association geworden war, wurde ich in den Bezirksausschuss berufen sowie nur wenige Monate später in das oberste leitende Gremium der Music Association als Missionskoordinatorin gewählt. 

Ich glaube fest daran, dass der Herr mich hierher geführt hat, um zu lernen und zu lehren. Es ist eine Herausforderung. Doch ich möchte mein Wissen und meine Erfahrung darüber weitergeben, worum es bei moderner Musikarbeit eigentlich geht und was es bedeutet, eine inklusive Chorgemeinschaft zu sein. Manchmal möchte ich aufgeben, weil es nicht einfach ist, um Veränderung zu ringen. Aber dann erinnere ich mich daran, dass ich das nicht nur für mich selbst tue, sondern auch für andere Jugendliche. Mir ist bewusst, dass ich die Jugend in einem Umfeld vertrete, in dem 98 % der Mitglieder schon älter sind.

Was ist das Besondere für dich an Chorarbeit? Wie würdest du den Stellenwert von Musik in deinem Leben beschreiben? 

Es gibt ein Zitat, das lautet: »Wo Worte versagen, spricht die Musik.« – Der Ort, an dem ich mich mein ganzes Leben lang geborgen gefühlt habe, war stets der, wo Musik zu meiner Quelle des Ausdrucks wurde. Ich bin ein Kind Gottes, und mit der Gabe, die mir gegeben wurde, möchte ich dies wieder zurück- und 
weitergeben und sehen, wie das Leben ein bisschen besser und leichter wird. Die Bedeutung des Chores liegt für mich darin, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die gemeinsam dient, sich gegenseitig hilft und prägt. Und es ist eine große Verantwortung, einen Gottesdienst als Chor zu leiten: noch bevor der Pastor etwas sagt, gibt der Chor den Ton für die Spiritualität vor. Die eigene Stimme zu finden und in die Gemeinschaft von Chor und Kirche eingebunden zu sein, hat mir geholfen, mich selbst wiederzufinden und zu verstehen, wer ich bin. Wo immer es in meinem Leben ein Fragezeichen gab, fand ich mich in Räumen wieder, in denen die Musik wichtig war.

Wozu würdest du junge Menschen ermutigen? 

Das Problem der jungen Generation ist, dass es ihnen schwerfällt, sich in einem Umfeld zurechtzufinden, in dem sie sich nicht repräsentiert fühlen. Mein Wunsch ist es, dass sie sich in der Kirche verantwortlich 
einbringen: Findet euren Weg, auf dem ihr eure Gaben einsetzen und dort helfen könnt, wo Hilfe gebraucht wird. Ich bete dafür, dass die Music Association ihre Arme weit öffnet, um uns aufzunehmen, ganz gleich, mit welchem »Sound« wir kommen. Wir haben vielleicht keine Notenkenntnisse oder keinen Chorhintergrund, aber es sollte Räume geben, in denen wir einbezogen werden können und zusammenwirken können, ohne in Schubladen gesteckt zu werden. Es ist alles Musik. Es geht immer um unseren Glauben und Gott, also ist alles wichtig, in allen Sprachen und in 
allen Weisen. Ich möchte die Jugend ermutigen, den Musikverband zu fluten, damit er wächst. Ich wünsche mir, im großen Ganzen, dass alle Organisationen eins werden können, »ein großer Ball der Inklusivität«, wo wir voneinander lernen, wo wir einander schätzen und eine Gemeinschaft bilden können. Das ist mein Traum für junge Menschen in der Kirche. Wir sind die Zukunft! Wenn wir jetzt handeln, können wir verändern, was wir uns wünschen. Wir wissen, wie wichtig Inklusion ist und welche Folgen Ausgrenzung haben kann. Veränderung wird nur dann eintreten, wenn wir uns aus unseren Wohlfühlräumen herausbewegen. 

Ich weiß, dass ich in den Gremien die Jugend repräsentiere, und ich hoffe, dass die Jugendlichen das bemerken und einfach ungezwungen zu uns kommen.

Was ist dein Wunsch für die MCSA? 

Ich möchte, dass wir Menschen sind, die das, was wir uns wünschen, auch in die Tat umsetzen. Oft sagen wir: »Wir wollen inklusiv sein«, »Wir wollen auf Jugendliche ausgerichtet sein«… aber wir geben den Jugendlichen nicht wirklich die Verantwortung. Als Missionskoordinatorin möchte ich darauf hinwirken, dass sich die Menschen überall wohlfühlen, sich vertreten fühlen und sich frei fühlen, Teil der Kirche zu sein – ohne Barrieren, weder von der Gesellschaft noch von Organisationen. Wenn ich in eine andere Gemeinde innerhalb der MCSA gehe, möchte ich trotzdem das Gefühl haben, dass ich hierher gehöre. Ich freue mich so sehr auf die kommenden Jahre. Und ich bete für alle jungen Leitenden, dass sie erkennen: Wenn sie jetzt nicht ihre Stimme erheben, auch wenn es unbequem ist, und sagen, wo sie Veränderungen sehen wollen, dann ist das, was wir tun, wertlos und alle Pläne und Positionen reine Zeitverschwendung. Mehr als alles andere möchte ich ein Licht für andere junge Menschen sein, denn ich weiß, dass auch andere sich eine bessere Zukunft und eine bessere Kirche wünschen. Mutig und entschlossen zu sein, ist das, wozu der Herr uns beruft. Ich bin so dankbar für alle, die Teil meines Lebens sind. Denn das hat mich hierher geführt!

Danke für deine Offenheit!

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