Kenia
Manchmal geht es um Leben oder Tod
Im Maua Methodist Hospital in Kenia, gibt es Herausforderungen, die wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen können. In Erinnerung an Dietmar und Birgit Ziegler kämpfen die Mitarbeitenden weiter um jedes Leben.
In Maua, Kenia, war der Tod eines Kindes der Auslöser für eine große Veränderung. In diesem abgelegenen Ort, heute sechs Stunden Autofahrt von Nairobi entfernt, begannen Anfang des 20. Jahrhunderts Missionare ihre Arbeit. Als 1928 ein Kind eines Missionarsehepaars verstarb, investierten sie die für Ausbildung ihres verstorbenen Sohnes angesparten Mittel in eine Gesundheitsstation. Daraus wuchs das Maua Methodist Hospital und um das Krankenhaus herum eine ganz Stadt. Heute arbeiten mehr als 300 Pflegekräfte, Ärzte und Ärztinnen und weiteres Personal in der gut ausgestatteten Klinik. Eine Besonderheit ist die Abteilung für Brandverletzte. Immer wieder verletzen sich Kinder schwer, denn viele Familien leben auf wenige Quadratmetern, oft in Holzhütten, zusammen. In diesem einen Raum wird gewohnt, geschlafen, gespielt und gekocht. Ich durfte ein Kind in der Verbrennungsstation besuchen. Es hatte sich beim Spielen aus Versehen in einen großen Topf mit heißem Essen gesetzt und dabei schwerste Verbrennungen erlitten. Nur durch die Behandlung im methodistischen Krankenhaus von Maua konnte dieses Kind überleben und ist nun auf dem Weg zur Genesung.
Das Krankenhaus in Maua leistet eine wertvolle Präventionsarbeit in den umliegenden Orten. Aufklärung über HIV/Aids ist ein wesentlicher Baustein. Bereits infizierten Menschen wird geholfen. Antiretrovirale Medikamente retten Leben. Besonders beeindruckt bin ich von der Idee, Küchengärten einzurichten. Durch eine gesunde Ernährung verbessert sich das Leben der HIV-positiven Menschen nachhaltig. Ein ganzheitlicher Ansatz. Leider leiden auch diese Programme unter den Kürzungen der US-amerikanischen Entwicklungshilfe. Ich bin dankbar, dass die EmK-Weltmission diesen Bereich weiterhin als zuverlässiger Partner unterstützen kann.
Eine weitere Herausforderung hat die Krankenpflegeschule übernommen, an der mehr als 100 Pflegekräfte ausgebildet werden. In der Gegend um Maua ist eine Häufung von Krebserkrankungen festzustellen. Niemand kennt den Grund, zumal verschiedene Arten von Krebs in bestimmten Dörfern vorherrschen. Die Schülerinnen und Schüler führen nun Erhebungen durch, um aussagekräftige Daten zu erhalten. Ich stelle die Verbindung zu einem methodistischen Arzt an einer Klinik in Deutschland her, der im Bereich globaler Onkologie tätig ist und in Tansania Erfahrungen im Aufbau einer Krebsstation gesammelt hat. Auch in Maua soll mittelfristig eine solche Station entstehen. Bisher werden Erkrankte nach aufwendigen Vorbereitungen nach Nairobi transportiert, was ihre Überlebenschancen deutlich verringert.
Auf dem Rückweg nach Nairobi wird mir bewusst, dass ich auf der Straße unterwegs bin, auf der Dietmar und Birgit Ziegler ums Leben kamen. Ihre Spuren sind bis heute in Maua zu sehen: Ein ganzes Gebäude ist nach ihnen benannt. Aber noch eindrücklicher für mich ist, dass an manchen Stellen noch Bilder von ihnen an den Pinnwänden der Stationen hängen. Der nach ihrem Tod ins Leben gerufene Ziegler-Aids-Fonds unterstützt bis heute Menschen, die sich infiziert haben, und ihre Angehörigen. Darüber hinaus fördert der Fonds auch die Aufklärungsarbeit zum Thema HIV/Aids – nicht nur in Kenia.
Olav Schmidt